Vermisst mich mein Pferd?

Vermissen Pferde?

Das mit dem Vermissen ist so eine spezielle Sache: Wir vermissen unsere Pferde (auch unsere anderen Tiere) natürlich sehr, wenn wir für eine längere Zeit weg sind. Noch mehr freuen wir uns natürlich auch auf den Tag des Wiedersehens. In zahlreichen Videos sieht man ja immer wieder, dass sich Hunde oder Katzen so sehr über die Rückkehr ihres Besitzers freuen, dass mir schon beim bloßen Zusehen die Tränchen kullern. Und irgendwie erwartet man dann immer, dass es bei einem selber und seinen Tieren doch mindestens genauso sein muss. Wenn Hunde ihre Freude nur zu gern und offensichtlich zeigen, ist das bei Pferden aber irgendwie schwierig...

 

Wenn wir vermissen, können wir das sagen. Wir können traurig sein und darüber reden. Aber wie sieht ein trauriges Pferd aus? Können Pferde eigentlich weinen? Wie zeigen Pferde 'vermissen'? Oder können sie nur ihre Freude zeigen, wenn Jemand wieder kommt? Ich hab schon von vielen Pferden gehört, dass sie vor Kummer nichts mehr fressen, aber selbst gesehen, hab ich sowas noch nie. 


Ich hab mir das Wiedersehen natürlich auch vorgestellt, als sei ich in einem kitschigen Wendyfilm gefangen: Ich komme zur Weide voller Erwartung und Hoffnung. Alin und Sunny blicken auf, wittern etwas oder ahnen, dass gleich etwas passiert. Dann hören sie meine Schritte. Ich sehe sie und rufe ihnen zu. Sie schütteln wild ihre Mähnen, wiehern und kommen auf mich zu galoppiert. Ich falle ihnen um den Hals und weine.

Ja, so könnte das aussehen - in einem Film oder in einem Buch. In einem kitschigen Buch. Einem sehr kitschigen. Leider war es irgendwie nicht so. Ich bin zwar zur Weide gegangen und tatsächlich haben die beiden auf mein Rufen auch reagiert und aufgeschaut, aber angaloppiert kam keiner. Nicht mal ein Wiehern war zu hören. Sunny hat nur ein bisschen gebrummt. Könnte aber auch daran gelegen haben, dass Alin sie ganz schön genervt hat. Erst als ich laut mit der Möhrchentüte geraschelt habe, haben sie sich in Bewegung gesetzt. Nicht im Galopp, aber wenigstens im Trab. Um den Hals fallen konnte ich ihnen auch nicht wirklich, weil sie eher damit beschäftigt waren, die meisten Möhrchen abzubekommen. Es war wahrscheinlich auch völlig egal, ob ich nun die Möhren bringen oder jemand anderes - hauptsache Möhren! 

Ein bisschen enttäuscht war ich ja schon, man stellt sich sowas ja immer blöderweise schon vorher vor und meist entspricht dann die Vorstellung nicht der Realität. Aber was ich mich dennoch gefragt habe: Merken unsere Pferde, wenn wir weg sind? Wenn die Hauptbezugsperson weg ist? Natürlich unter der Voraussetzung, dass sich trotzdem genauso gut um die Tiere gekümmert wird. Ich war mir im ersten Moment gar nicht mehr so sicher. Pferde sind einfach anders als Hunde. Viel selbstständiger, viel 'eigensinniger' - so lange sie Pferdekumpels um sich und genügend Gras unter sich haben, sind Pferde doch eigentlich schon glücklich.

Ein bisschen betrübt war ich den Tag schon. Hab also ganz normal meine Box gemistet und anschließend die Pummelchen reingeholt. In der Box gabs dann noch einen Keks und dann wollte ich mich gerade auf den Weg machen und das Putzzeug holen, als Alin ihren Kopf auf einmal über meine Schulter gestreckt hat und mich angeschaut hat - so nach dem Motto 'Du bist da' - kein Schwanzwedeln, kein freudiges Herumspringen, aber immerhin eine Anerkennung, eine Zusage, dass ich wieder da bin. ICH.

Natürlich gibt es auch einige Pferde, die ihre Besitzer anwiehern und angaloppiert kommen. Aber Alin ist halt einfach nicht so. Aber das muss sie auch nicht. Dieses Kopf ablegen auf meiner Schulter hat mich schon so glücklich gemacht, dass es kein Wendyfilm der Welt toppen könnte - für mich jedenfalls nicht.

Und unsere Pferde kennen uns. Ganz gleich, ob sie es zeigen, aber es ist so. Es ist das Geräusch des Autos, dass sie aufschauen lässt, die Art, wie wir gehen, wie wir reden und uns bewegen. Die Art wie wir sie anfassen. Genau zu wissen, in welcher Tasche ICH immer die Leckerlies habe. Genau zu wissen, dass ICH gerne ihre Nase streichel und sie sie mir immer wieder hinhält, obwohl sie Nase streicheln eigentlich gar nicht mag. Aber sie macht es trotzdem. Bei mir. Weil sie mich mag.

Und da bin ich mir ganz sicher.  


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