Zum Schmunzeln

Was Reiter entzückt

Wir sind ja nun wirklich eine ganz besondere Spezies. Das fällt vor allem auf, wenn sich mehrere Reitermädchen in einer Gruppe zusammen tummeln, und Außenstehende mal Mäuschen spielen. Auch die Vorurteile gegen uns Reitermädchen sind schier unendlich: Wir würden nur über Pferde sprechen, hätten nie Zeit und vor allem seien wir „voll reich“ – sonst könnte man sich ja so viel Schnickschnack gar nicht leisten. Und das Schlimmste ist: Wir würden uns angeblich mit nichts zufrieden geben. Und das stimmt ja nun mal absolut nicht. Eigentlich sind wir total schnell zufrieden gestellt und die besonders kleinen Sachen freuen uns am allermeisten…

Leute, die Nutella lieben, lieben es auch ein neues Glas zu öffnen und freuen sich über diese super glatte, süße Oberfläche. Es kostet ja beinahe Überwindung, dieses Meisterwerk mit dem Messer (oder Löffel) zu zerstören, aber letztlich will man ja an den Inhalt. So in etwa geht es uns Reitermädchen auch, wenn wir ganz unverhofft in den Stall kommen und die Halle gerade frisch gezogen wurde und uns die Ehre gebührt, darin zu reiten. Dann fühlen wir uns meistens auch gleich um Klassen besser und die Lektionen funktionieren von Geisterhand.

 

Frisch bezogene Betten – wer liebt sie nicht? Vor allem wenn man nach einem anstrengenden Tag endlich wieder zu Hause angekommen ist, geduscht hat und sich dann mit einem Buch ins Bett kuscheln will. Da schläft es sich gleich viel besser! Gleiches Prinzip bei uns Reitermädchen (da geht es zwar nicht um unsere Betten, in die wir uns auch hin und wieder mit Reithose fallen lassen, sondern um das Pferdebett). Wenn die Box nämlich frisch gemistet ist, mit goldenem Stroh und einer schönen Portion gut duftendem Heu. Noch schöner ist dieser Effekt bei frisch eingestreuten Späneboxen. Und wenn dann auch noch die Box an sich aus schönem Holz gefertigt ist, die Tür federleicht aufgeht und die Metallbeschläge schön verschnörkelt sind, dann sind auch wir im siebten Himmel und freuen uns beinahe noch mehr, als unsere Pferde.

 

Gutes Essen gehört einfach dazu, um glücklich zu sein. Die Vorfreude auf das tolle Restaurant oder wenn man die Haustür aufschließt und einem gleich der Duft von Spaghetti Bolognese mit extra viel Parmesan in die Nase steigt. Genauso schön ist es für uns Reitermädchen allerdings auch, wenn endlich das neue Pferdefutter angekommen ist. Da kann uns nicht mal diese blöde Aufreißschnur die Laune verderben. Und wenn der Sack dann endlich offen ist, uns der Duft vom frischen Müsli entgegen weht und wir nicht umhin kommen, unsere Hände hinein gleiten zu lassen, können wir die Fütterungszeit kaum abwarten – wir wollen schließlich wissen, ob unsere Pferde genauso begeistert sind, wie wir.

 

Urlaub, Freizeitpark, Kurztrip – alles Dinge, die unsere Augen zum Leuchten bringen. Aber kaum ein Gefühl der Welt kann mit der beginnenden Weidesaison mithalten. Das Gras ist noch lang und saftig und die Pferde spüren die Aufregung schon lange im Vorfeld. Wenn sie dann das erste Mal im Jahr wieder auf die Weiden gelassen werden  und vor lauter Freude davon galoppieren und Bocksprünge machen, geht unser Herz auf. Wir sind halt Pferdemädchen.

 

 

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