Trächtige Stute reiten

Wie lange kann man trächtige Stuten reiten?

Eine Frage, die mich tatsächlich sehr lange und mit der ich mich auch sehr intensiv beschäftigt habe. Im Internet und in Foren zu lesen hat mir hierbei allerdings nicht wirklich viel geholfen: Dort war die Rede von "gar nicht" bis "naja, bis das Fohlen halt da ist". Für mich beides keine verlässlichen Angaben, deswegen habe ich mich einfach mit meinem Tierarzt beraten - der bei solchen Fragen übrigens auch immer euer Ansprechpartner Nummer 1 sein sollte. Gerade bei so wichtigen Dingen, wie der Gesunderhaltung eures Pferdes oder eben der trächtigen Stute.

Welche Faktoren spielen eine Rolle?

Grundsätzlich spielen hinsichtlich der Bewegung und des Reitens drei Faktoren eine wichtige Rolle: Zum einen der Verlauf der Trächtigkeit, zum anderen die Gesundheit der Stute und als letztes der allgemeine Fitness bzw. der Zustand vor der Trächtigkeit. Zur korrekten Beurteilung und zur Absprache mit eurem Tierarzt ist es wichtig, dass ihr die Fragen wirklich ernst nehmt und objektiv beurteilt. Dreimal wöchentlich im Schritt ausreiten entspricht nicht mal der Grunderhaltung des Pferdes.

 

1. Verlauf der Trächtigkeit

Der Verlauf der Trächtigkeit spielt dahingehend eine Rolle, weil das Fohlen im zunehmenden Alter deutlich mehr Raum im Bauch der Stute einfordert. So kann es sein, dass es zwischenzeitlich auf den Darm, die Lunge oder andere Organe drückt, was für die Stute schon unangenehm genug sein kann. Zum anderen ist es wichtig, ob eure Stute eine "leichte" Trächtigkeit hat. Das bedeutet, ist sie gesund, hat sie Einschränkungen, muss mit ihr besonders behutsam umgegangen werden? Das spielt zum Beispiel bei Stuten eine Rolle, die Stoffwechselerkrankungen haben oder während der Trächtigkeit entwickelt haben oder auch bei Kolik anfälligen Pferden. Alin hat - nach einem schwierigerem Start - eine einfache Trächtigkeit. Die Frucht ist super entwickelt und die Trächtigkeit verläuft quasi nach Schema F. Durch die regelmäßigen Impftermine und Tierarztkontrollen sind wir auch bestens betreut und haben einen optimalen Überblick über den Gesundheitszustand. Während man also nach dem Besamen erst mal ca. drei Wochen ruhig machen sollte (ab dem 16. Tag kann man kontrollieren, ob die Stute aufgenommen hat - eine heikle Phase), kann man die Stute erst mal danach wie gewohnt bewegen. Die Frucht ist sehr klein und beeinträchtigt die Stute in keinster Weise. Die Bewegung kann und sollte so weiter laufen, wie man es auch vor dem Besamen gehandhabt hatte. War die Stute also vorher außer Training oder stand "nur rum", sollte man nicht plötzlich wieder anfangen zu reiten. War die Stute vorher gut im Training, fit und gesund, dann kann man sie ohne Probleme weiter so bewegen. Nur auf Hochleistungssport, wie Vielseitigkeit, Sprünge oder Training bei extremen Wetterbedingungen sollte verzichtet werden. Unten auf den Bildern könnt ihr jeweils unser Reiten zu Beginn der Trächtigkeit (2. Monat), fortgeschrittener Trächtigkeit (5.) Monat und jetzt im letzten Drittel (8. Monat) sehen. Je nach Lage des Fohlens hat sich Alin auch mal nicht so wohlgefühlt. Um den 5. Monat hat das Fohlen anscheinend ziemlich auf den Verdauungstrakt gedrückt: sie hatte einen festen Bauch, war aufgegast und hat erst durch die Bewegung ordentlich pupsen und Äppeln können – Bewegung ist also sogar förderlich und gesund.

2. Gesundheit der Stute

Der nächste wichtige Aspekt ist die Frage dem Allgemeinzustand und der Gesundheit der Stute. Liegen aktuell Krankheiten, Beeinträchtigungen usw. vor. Gerade Stuten mit Stoffwechselerkrankungen sollten besondere Beachtung bekommen. Grundsätzlich ist das Risiko, Rehepferde decken zu lassen sowieso schon erhöht. Während der Trächtigkeit werden noch mehr Proteine und Eiweiße eingelagert, was einen Reheschub begünstigen und somit die Trächtigkeit gefährden kann. Aber auch während der Trächtigkeit können Stuten Stoffwechselerkrankungen entwickeln, wenn das Futter nicht entsprechend angepasst und die Bewegung vernachlässigt wurde. Auch Koliken, Influenza und vor allem Herpes kann die Trächtigkeit beeinträchtigen und einen Abort herbeiführen. Deswegen ist es besonders ratsam, die Stute regelmäßig impfen zu lassen. Trächtige Stuten haben gerade hinsichtlich der Herpesimpfung andere Anforderungen. So müssen sie im 5., 7. und 9. Monat dagegen geimpft werden – zusätzlich zu Influenza und Tetanus. Auch hat die trächtige Stute einen anderen Nährstoffbedarf, der durch ein Blutbild kontrolliert werden sollte. In die Begutachtung einbezogen werden sollten auch Verletzungen des Bewegungsapparates und wie immer die Frage: Wie wurde die Stute vor der Trächtigkeit bewegt. Viele Medikamente - auch freiverkäufliche - können Einfluss auf die Trächtigkeit nehmen. Also lieber mit den Tierarzt abklären, was okay ist und was nicht. Wie bei Frauen gilt auch bei trächtigen Stuten: Massagen und Akupressur vermeiden. 

3. Fitness der Stute

Um die Frage nach dem Reiten beantworten zu können, ist ein Rundumblick der Stute unerlässlich. Wie verkraftet sie die Trächtigkeit, fällt dem Besitzer eine Wesensveränderung oder anderes Verhalten auf? Wie benimmt sich die Stute unter dem Sattel? Fängt sie schnell an zu pumpen unter Belastung? Wie wurde die Stute vor der Trächtigkeit bewegt? Alles Fragen, die ehrlich und objektiv beantwortet werden sollten. Jeder, der sich dazu entschließt, seine Stute decken zu lassen, trägt plötzlich nicht nur doppelte, sondern schlichtweg mehr Verantwortung. Es geht um nichts geringeres als die Gesundheit der Stute. Deswegen sollte man ganz genau beurteilen, wie die Stute vor dem Besamen bewegt wurde: Wie oft, wie lange, wie intensiv und was wurde gemacht. Eine Stute, die aber vorher ausreichend bewegt wurde, durch den Tierarzt regelmäßig kontrolliert wird, der an nichts mangelt und die allgemein fit ist, kann ohne Bedenken weiterhin normal bewegt werden - natürlich immer mit den Fragen nach der Gesundheit und dem Verlauf der Trächtigkeit im Hintergrund.

Reiten und Bewegen

Wenn alle Grundlagen zu einer gesunden Trächtigkeit und einer gesunden, vitalen Stute gegeben sind, dann steht dem Reiten nichts mehr im Wege. Grundsätzlich spricht man davon, dass man Stuten bis zum 7. Monat problemlos normal reiten kann. Ob und wie man danach noch reitet, hängt von der Fitness und der Motivation der Stute ab. Der beste Tipp ist: Ihr kennt euer Pferd am besten - wie verhält es sich im Vergleich zu vorher? Wenn ihr eure Stute jeden Tag genau betrachtet und auf ihr Verhalten achtet, werden ihr schnell sehen, ob die Stute heute motiviert ist, etwas zu tun oder ob sie lieber ihre Ruhe haben möchte. Während Alin so um den 6. Monat eher sehr unmotiviert war, weil dann die Senkungsphase begonnen hat und es ihr anscheinend unangenehm war, ist sie jetzt gegen Ende des 8. Monats immer noch super motiviert und fit. Ich betrachte sie jeden Tag aufs neue und wenn sie mir signalisiert, dass sie heute nichts tun möchte, dann ist das okay und ich lasse sie in Ruhe. Wenn sie gut drauf ist, dann wird sie geritten - aber natürlich angepasst an die Trächtigkeit. In der Halle hat sie grundsätzlich keine Lust mehr, also gehen wir nur noch ausreiten. Galopp fällt ihr leichter als Trab, also galoppieren wir hauptsächlich (neben Schritt natürlich). Wenn alles gut verläuft und euch eure Stute keine anderen Signale gibt, könnt ihr sie bedenkenlos weiter reiten. Schrittausritten steht eigentlich bis kurz vor der Geburt nichts im Wege.

Grundsätzlich gibt es aber einen entscheidenden Unterschied zwischen Bewegen und Reiten. Unabhängig davon, ob die Stute noch geritten wird, sollte sie bis zur Geburt hingegen bewegt werden. Seien es Spaziergänge oder die Bewegung an der Longe. Bewegung ist wichtig und gesund. Je fitter die Stute ist, umso leichter wird ihr die Geburt fallen und umso besser wird sie sich nach der Geburt wieder erholen.

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