Hautprobleme beim Pferd

Wenns juckt und kribbelt

Nicht nur die Zeit des Fellwechsels strapaziert so manches Pferd. Auch im Sommer leiden viele Pferden unter den schwülen Temperaturen, den Bremsen und Fliegen, Kribbelmücken und Ekzem. Uns hat es zum Glück noch nie so schlimm erwischt, aber auch Alin hat hin und wieder mal kleine Baustellen. Auch, wenn das Fell im Sommer bedeutend kürzer und somit leichter zu reinigen ist, haben die meisten Pferde aber gerade in dieser warmen Periode Probleme mit der Hautgesundheit. Schweiß reizt die Haut, wenn er nicht nach dem Reiten ausgebürstet oder abgewaschen wird, Kribbelmücken setzen sich in den Fellbeugen und Ohren fest und Fliegen bringen die Augen zum Tränen.Nur ein paar Beispiele von vielen. Hinzu kommt bei Alins langer Mähne noch ein juckender Mähnenkamm durch die Stauhitze und nicht zuletzt drei Warzen, die jedes Jahr im Sommer wieder kommen und immer an den gleichen Stellen sitzen.

Insekten auf der Weide

Die Weidezeit ist die schönste Zeit - zumindest dann, wenn die Bremsen, Fliegen, Zecken, Kribbelmücken und Hirschlausfliegen mal außen vor lässt. Während die Mehrzahl der Insekten im Winter normalerweise abstirbt und sich die Population somit selbst reguliert, haben wir die letzten Jahre eher das genaue Gegenteil erlebt. Selbst Insekten, die in unserer Harzregion eigentlich nicht heimisch sind, kommen immer häufiger vor und machen das Leben unserer Ponys schwerer. Erst letztes Jahr hatte Alin einen regelrechten Hirschlausbefall. Der war so schlimm, dass sie sich teilweise blutig gescheuert hat. Nach ungefähr 6 Stunden Absuchen des gesamten Ponys haben wir wenigstens das in den griff bekommen. Aber gegen die Hirschlaus hilft leider nicht mal das stärkste Insektenspray. Die Hirschlausfliege kommt zum Glück nicht überall vor und so kennen wir zumindest die Ecken im Wald, die wir im Hochsommer meiden sollten. Was wir allerdings nicht umgehen können, ist die Vielzahl der Insekten auf der Weide - und damit meine ich jetzt keine Grashüpfer, sondern Milben, Kribbelmücken, Bremsen und Fliegen die geradezu auf ein genüsslich grasendes Pferd gewartet haben. Die Körperregionen, die nahezu immer im Gras versenkt sind, sind also Nase bzw. Gesicht und die Hufe bzw. Fesseln. Hier nisten sich besonders gerne Grasmilben ein, die zu starkem Juckreiz und nässenden Wunden führen können. Milbenbefall wird auch häufig mit Pilz verwechselt, weil sich an den betroffenen Stellen das Fell einfach herausziehen lässt. Wenn man allerdings genauer hinschaut, fallen die unzähligen schwarzen Punkte aber auf - hier sind Milben am Werk. Diese lassen sich allerdings sehr gut bekämpfen: warmes Wasser und Jodlösung lässt die Milben so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Hinterher etwas Wund- und Heilsalbe auf die Stellen und nach dem Abheilen provisorisch mit Fliegenspray besprühen. 

 

Fliegen können ebenso lästig, wie schädlich sein, wenn sie im Übermaß auftreten und Augenreizungen oder Entzündungen verursachen können. Alin wird zum Glück durch ihren langen Schopf geschützt, aber bei Warmblütern sieht das leider schon anders aus. Hier helfen in erster Linie nur Fliegenmasken. Fliegenspray ins Gesicht zu sprühen erachte ich als nicht so sinnvoll, weil die meisten Produkte Chemikalien enthalten, die besser nicht in die Augen, Nüstern und das Maul gelangen sollten. Besser eignen sich für die empfindlichen Regionen Gele, die mit einem Schwamm gezielt aufgetragen werden - aber bitte unbedingt auf die Inhaltsstoffe achten! Auch, wenn die Masken nicht so schön aussehen - sie helfen wirklich gut und sind wohl die bessere Alternative zu entzündeten Augen.

 

 

Warzen und Mauke

Neben den üblichen Problemen, mit denen ein Pferdemädchen im Sommer zu kämpfen hat, hat Alin noch zwei weitere Baustellen. Zum einen hat sie Mauke artige Verkrustungen an beiden Hinterbeinen und zum anderen bekommt sie im Sommer immer genau drei Warzen an immer den selben Stellen. Um hier die Aufregung gleich zu mindern: Es sind KEINE Equinen Sarkoide, also keine Hauttumore, sondern wirklich harmlose Warzen. Der Tierarzt meinte einfach, dass gerade Alins Ohren wohl sehr empfindlich sind, weil sie im Sommer auch in der Ohrmuschel immer mal wieder Milben hat, was zu regelrechten Juck- und Kratzanfällen führt. Ich bin zumindest schon mal sehr froh, dass die Warzen sich nicht ausbreiten und meistens nach  vier bis 8 Wochen wieder vollständig verschwunden sind. Die "Mauke" hat Alin schon seit fast 10 Jahren und sie geht einfach nicht weg. Für euch einmal kurz den Hintergrund: Laut Tierarzt ist keine Mauke im eigentlichen Sinne, denn sie tut weder weh, noch sind die Stellen entzündet, noch nässen die Stellen. Es sind trockene Verschorfungen, die mal stärker und mal weniger stärker sind. Ich habe bestimmt schon 500 € in diverse Untersuchungen, Behandlungen und Cremés gesteckt und nichts hat geholfen - zumindest nicht in der Hinsicht, dass es ganz verschwunden ist. Wir haben aber ein paar Kniffe, mit denen sich alles sehr gut in den Griff bekommen lässt. 

Futter, Thuja und Öl

Neben der normalen Fellpflege und dem regelmäßigen Waschen haben sich in meinem Schrank noch ein paar Wundermittel angesammelt, auf die ich immer wieder zurück greife. So habe ich, als die Warzen zum ersten Mal aufgetreten sind, erst mal in der Apotheke meines Vertrauens vorbei geschaut und das Problem geschildert. Nach einigem Fachsimpeln habe ich dann den Tierarzt gerufen, um das Equine Sarkoid auszuschließen. Das war mir vorher überhaupt kein Begriff. Gebt das mal bei Google ein - das sind nicht nur 'bloße' Hautwucherungen. Zum Glück konnte der Tierarzt nach einer Probe das Equine Sarkoid aber ausschließen. Es sind einfache Warzen. Ist die Immunabwehr geschwächt und der Hautstoffwechsel nicht in Takt, kann im Prinzip jeder Warzen bekommen - ganz gleich ob Mensch oder Tier. Medizinisch mussten wir hier jedenfalls nichts behandeln, weil die Warzen nicht an problematischen Stellen auftreten, wie zum Beispiel dem Auge. Mein Tierarzt hat mich dann auf die Idee mit Thuja und der Homöopathie gebracht. Ich bin ein Mensch, der Homöopathie nicht auf die Goldwaage legt. Als Unterstützung greife ich auf die Tinkturen und Kügelchen gerne zurück, aber im Ernstfall wird grundsätzlich der Tierarzt angerufen. Homöopathie kann keine Schulmedizin ersetzen, sie aber durchaus unterstützen. In der Apotheke habe ich dann "Thuja extern" (Urtinktur zur äußerlichen Anwendung) und "Thuja Kügelchen" (zum Einnehmen, Potenz D12) gekauft. 

Die Thuja ist auch unter dem Namen "Lebensbaum" bekannt und findet sich in vielen Gärten und an vielen Wegen. Unverarbeitet ist Thuja allerdings extrem giftig für Pferde und kann Magengeschwüre und Nierenschäden verursachen. Also auf keinen Fall versuchen, Thuja selbst zu verarbeiten! Wenn die Warzen also auftreten, dann versuche ich die Stellen mindestens zweimal täglich äußerlich einzureiben. Die Anzahl der Globuli, hochgerechnet auf das Gewicht des Ponys, gebe ich jeweils morgens und abends in das Futter und zusätzlich nach dem Reiten direkt ins Maul. Die Wirkung entfaltet sich besser, wenn die Kügelchen langsam auf der Schleimhaut 'zergehen'. Da sie zu klein zum Kauen und Fressen sind, merken die meisten Pferde die Kügelchen gar nicht und man kann sie mit einer schnellen Handbewegung einfach in die Unterlippen schieben. Schon nach kurzer Zeit werden die Warzen kleiner und spätestens im Herbst sind sie wieder verschwunden.

DAS Mittel gegen die "Mauke" habe ich auch nach 10 Jahren noch nicht gefunden und mittlerweile habe ich mich von dem Gedanken, dass ich es irgendwann finde, auch schon verabschiedet. Außerdem ist es für Alin auch nicht fair, wenn ich sie quasi als "Testkaninchen" für diverse Cremes und Mittel einsetze. Zumal die Mauke ihr in keinster Weise Schaden zufügt: sie lahmt nicht, die Beine laufen nicht an, es entzündet sich nichts. Also wird in erster Linie nur das Symptom der Verkrustungen bekämpft und da setze ich schon seit je her auf das Ballistol Öl. Kleiner Trick am Rande: Einfach eine leere Hufölflasche sehr gut säubern, einen neuen Pinsel kaufen und das Ballistol umfüllen. So kann man es viel leichter und genauer auftragen. Auch bei Scheuerstellen und Haarverlust wirkt das Öl nach meiner Erfahrung total gut. 

Alles steht und fällt mit dem richtigen Futter - viele Hautprobleme sind zum Teil durch schlechtes oder falsches Futter bedingt. Gerade im Sommer reduzieren die meisten Pferdehalter die Futterration - "das Pferd hat ja jetzt schließlich Gras". Dass aus vier Kg frischem Gras aber nur ca. 850 Gramm Trockensubstanz übrig bleiben, bedenkt fast niemand. Viele Pferde sind im Sommer also schlichtweg unterversorgt. Während der Vitaminhaushalt im Sommer immer super ist, lässt der Mineralstoff- und Spurenelementehaushalt oft zu wünschen übrig. Gras ist zwar vitaminreich, dafür aber sehr Mineralstoffarm und gerade einige Mineralstoffe werden für einen intakten Hautstoffwechsel benötigt: Biotin, Eisen, Zink und Kupfer sind nur einige Stoffe, die sich positiv auf Haut und Fell auswirken. Förderlich sind auch einige Kräuter, wie Salbei, Majoran, Kamille und Bierhefe. Da diese Kräuter aber auch einen sehr intensiven Geruch und Eigengeschmack haben, werden sie in den seltesten Fällen gut angenommen - ebenso wie Kieselgur, die schnell fischig riechen kann. Um nicht gleich ein ganzes Kräuterbeet anlegen zu müssen, habe ich einfach auf eine Kombination dieser Inhaltsstoffe zurückgegriffen. Gerade in Sachen "Haut" sollte nicht nur äußerlich gehandelt werden. Der Spruch "Der Sitz der Gesundheit ist im Darm" hat durchaus Berechtigung. Eine intakte Darmflora - mit guten Darmbakterien - steht gleichauf mit einem intakten Immunsystem und damit auch mit einer intakten Haut, die als größten Organ überhaupt den meisten Umwelteinflüssen ausgesetzt ist. Umso wichtiger, das natürliche Schutzschild der Haut von innen heraus zu unterstützen und zu kräftigen. Ich verfüttere die "Profi Hautkur" von Eggersmann, die ich euch hier mal verlinke.

Um das Fassungsvermögen der Futtereimer also nicht auszureizen, wenn man nun 10 verschiedene Zusatzfutter hinzu geben müsste - ganz zu schweigen von der Zeit, die das Zubereiten dann wohl dauern würde - ist man mit einem "Kombi-Produkt" gut beraten. Vor allem in Sachen Dosierung bin ich mir immer sehr unsicher. Viel hilft nicht gleich viel, sondern kann in seltenen Fällen auch einfach großen Schaden anrichten, wie zum Beispiel eine Überversorgung mit Selen, die vergiftungsartige Symptome zur Folge haben kann. Die Pellets hingegen kann man super einfach dosieren und lassen sich quasi unsichtbar unter das normale Krippenfutter schummeln. Ein schöner Nebeneffekt: Auch die Haare an Schweif und Mähne wachsen besser und werden widerstandsfähiger gegen äußere Faktoren, wie Knabbern, Schubbern und Wälzen. 

"Den Gesundheitszustand eines Pferdes kann man bereits an seinem Haarkleid ablesen."

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